Heute war wieder so ein Tag wo ich mich am liebsten in meine Decke verkrieche, die Augen zumache und meine Dackelohren auf „Bitte nicht stören“ stelle. Ja, so ein Stadt-Dackel hat es nicht leicht! Und schon gar nicht, wenn er nicht hochglanzpoliert mit seinem Herrchen an der Leine durch die Stadt flaniert, in freudiger Erwartung auf eine frische Dose Gourmet-Hundefutter und ein warmes Körbchen. Alles Weicheier – so ein richtiger Dackel macht was er will, wo er es will und ist unabhängig und frei. So wie ich, der Xaver aus Sendling!
Unkastriert, reinrassig und im besten Alter lebe ich meine Freiheit mit all ihren Tücken und Gefahren in einem Hinterhof. Feinstes Futter finde ich oft in der Mülltonne und der Schorsch aus dem Erdgeschoss hat mir mal eine karierte Decke gespendet. Die liegt jetzt in meiner kleinen Höhle, eine Einbuchtung zwischen den Häusern, gleich hinter den Mülltonnen. Der Schorsch ist eh der Beste, immer gut gelaunt, gesellig und hat mich schon ein paar Mal von nervigen Tierschützern gerettet, die dachten einem armen Dackel ein besseres Leben im Tierheim bescheren zu müssen. Clever wie Schorsch ist, hat er mir einen kleinen Sichtschutz gebaut – jetzt muss ich nur aufpassen, dass mich die grantige Hausmeisterin Irene Bissinger nicht erwischt. Eine böse Frau, einmal hat Sie mich schon mit dem Besen verfolgt und ein anderes Mal ihr stinkiges Putzwasser über mich geschüttet!
Manchmal bringt mir der Schorsch auch a bissl was zum naschen. Aber immer heimlich, damit die Irene Bissinger das ja nicht mitbekommt! Einmal, als ich erkältet war, hat er mich sogar mit in seine winzige 1-Zimmer Wohnung aufgenommen. Aber das war einfach nix – zwei eigensinnige Junggesellen unter einem Dach – das gibt nur Streit. Und gestunken hat es bei uns…. uiuiui, dann doch lieber der Hinterhof! Außerdem hat uns die Irene auf dem Balkon bei einem Feierabendbier erwischt. Der Schorsch hatte mir liebevoll frisches, kühles Bier in den Wassernapf gefüllt. Und während wir glückselig vor uns hin geschlürft haben, hat sich die Bissinger angeschlichen um ihre Geranien zu gießen!
Geschrien hat sie, das könnt ihr euch nicht vorstellen! Rausschmeißen wollte sie den Schorsch und die Wohnung zwangsräumen! Gottseidank ist der Herr Markert dazwischen, der ist Anwalt und wohnt im dritten Stock. Streng hat er mich über seinen Brillenrand angeschaut und irgendwelche Paragraphen zitiert. Ich bin dann wieder hinter die Tonnen geschlichen, Frau Bissinger hat auch noch ein paar Paragraphen abbekommen, und dann war Ruhe.
Der Schorsch ist dann in die Spätschicht, er ist nämlich Pfleger in einem Seniorenheim. Das bewundere ich so an ihm, er kann stundenlang zuhören und das mögen die alten Leute. Allerdings brauchst ihn danach nicht fragen um was es ging. Das hat er dann auch gleich wieder vergessen. Aber ich glaube, das macht ihn so ausgeglichen. Weil wenn man nämlich einfach alles vergisst, braucht man danach auch nimmer drüber nachzudenken. Und aufregen tut man sich dann auch nicht mehr darüber, man weiß ja gar nicht mehr über was man sich aufregen soll.
Wenn ich sonst mal jemand zum reden brauch gibt es jede Menge Haushunde in der Umgebung, die ich mehr oder auch weniger mag. Da ist einmal der Blasius, das ist ein Mops und der ist sehr nett, aber so träge und gedanklich unterentwickelt, dass es meist über ein kurzes „Hallo“ nicht hinausgeht. Ganz anders ist Egon, der Kurzhaardackel, der zwei Häuser weiterwohnt. Arrogant, vorlaut, unsympathisch und ein richtiger Prolet! Schräg gegenüber wohnt die Trixi, eine gepflegt Langhaardackeldame mit dem Herz am rechten Fleck. Ich denke, sie würd schon mal gern bei mir anbandeln – aber mein Herz gehört schon einer anderen: der Franzi! Schlanke, lange Beine, wallendes Haar und glänzende Augen, hach – ein Traum von einer Hundedame!
Das einzige Problem: sie ist ein Pudel! Ihre Hax`n sind mindestens doppelt so lang wie meine und auch der Rest ist mir größenmäßig einfach überlegen. Und dann kommt noch dazu, das sie nicht mit fremden Hunden sprechen und – wenn überhaupt – nur andere Pudel beschnüffeln darf. Und so liege ich in meinem Hinterhofeck, ganz alleine und denke sehnsüchtig an meine Franzi. Ich sag`s ja: So ein Stadt-Dackel hat es nicht leicht!