Ein „kuhles“ Projekt!

Unterricht im Kuhstall – analoges Erlebnis statt digitale Theorie

Es gibt wenige Tier, die ich nicht mag. Eines davon ist ein großes, monströses Geschöpf mit bösem Blick und teilweise teuflischen Hörnern. Umso weniger begeistert war ich, als sich meine Freundin Kathl entschied ausgerechnet in einen Milchviehbetrieb einzuheiraten! Mit Begeisterung  kümmern sie und ihr Mann sich um insgesamt 120 Milchkühe. Und weil ich sie doch mal ganz gern besuche komm ich nicht drum herum, manchmal einer Kuh Auge um Auge gegenüber zu stehen. Für mich eine Angst-Therapie, für sie eine Leidenschaft und Arbeitsalltag: der Besuch im Kuhstall!

Als ausgebildete Erzieherin gibt sie ihr Wissen rund um das Thema Landwirtschaft auch an Kinder und Jugendliche weiter. „Schule fürs Leben“ heißen die Projektwochen, die vermitteln sollen, woher die Nahrungsmittel überhaupt kommen. Oft kommen Schulklassen auf ihren Hof um zu lernen, das die Milch ihren Ursprung nicht im Edeka oder Aldi-Regal hat. Für die ganz Kleinen brauchte sie kürzlich Unterstützung und bat mich, fünf kindgerechte Bilder zu zeichnen . Diese sollen den Kindern spielerisch näherbringen, was eine Kuh braucht um glücklich zu sein. Trotz meiner Kuh-Abneigung hat mir das Kreativprojekt wahnsinnig Spass gemacht und  so ist Kunigunde (kurz Kuni) ist entstanden.

Und damit ich langsam meine Kuh-Ängste in den Griff kriege, habe ich sie besucht und dabei selbst noch viel gelernt! Hier ein kleines Interview – die Bilder zum Projekt gibt es weiter unten!

Ich: Du arbeitest 7 Tage in der Woche, von früh morgens bis spät abends. Die Vorbereitung für die Kindergarten-  und Schulgruppen braucht Zeit. Warum machst du dir diese zusätzliche Arbeit?

Kathl: Ich arbeite gerne mit Menschen, als ausgebildete Erzieherin macht es mir großen Spass den Kindern zu zeigen, wo Nahrungsmittel herkommen und welche Arbeit damit verbunden ist. Selbst auf dem Land ist den Kindern nicht mehr bewusst, woher die Milch kommt. Ausserdem ist es mir wichtig, das der Landwirtschaft und den Landwirten mehr Wertschätzung entgegengebracht wird.

Ich: Wie genau läuft so ein Hofbesuch ab?

Kathl: Wenn die Gruppe kommt gibt es erstmal eine kurze Einweisung, wie sie sich im Stall verhalten müssen. Es gibt 5 Regeln: langsam, lieb und leise zu sein, nirgends drücken und nirgends ziehen. Und dann geht es auch schon in die Praxis: je nach Alter der Kinder arbeiten wir anders. Für die ganz Kleinen erklär ich erst einmal an deinen Bildern, was eine Kuh braucht um glücklich zu sein. Die Bilder bekommen sie dann auch im Nachgang als Ausmalbild mit nach Hause. Je nach Altersstufe machen bekommen die Kinder unterschiedliche Aufgaben. Sie dürfen zum Beispiel Futter mischen und abwiegen, die Größeren berechnen den Futtermittelbedarf.

Ich: Gibt es manchmal skeptische Kinder die – vielleicht auch durch elterliche Prägung – die Milchviehhaltung als Tierquälerei betrachten?

Nein, das hatte ich bislang noch nicht. Die Kinder und auch die Lehrer sind immer sehr interessiert und mit Begeisterung dabei.

Ich: Es macht im ersten Moment schon etwas traurig, das die Kälbchen gleich nach der Geburt von der Mutter getrennt werden. Wie erklärst du das den Kindern?

Ich nehme uns Menschen dafür als Beispiel: Kinder kommen in den Kindergarten, in die Krippe, in die Ganztagesbetreuung – genauso ist das bei den Kühen. Unsere Kälbchen bekommen ihre eigene Box und haben auch immer Kontakt zu anderen Kälbchen, sie sind also nie alleine. Um die Kühe bei der Mutter zu lassen benötigt man mehr Platz, den haben wir leider nicht. Und letztendlich müssen wir die Kälbchen früher oder später von der Mutter getrennt werden, umso später umso stärker ist die Mutter-Kalb Bindung. Die späte Trennung wäre emotional belastender für Kuh und Kälbchen.

Ich: Würdest du deinen Hof als kreativen Lernort zu bezeichnen?

Kathl: Das kommt darauf an, bei den Projektwochen Schule fürs Leben geht es in erster Linie darum, Wissen auf praktische Weise zu vermitteln. Beim Futtermischen oder den Umgang mit Kühen im Allgemeinen gibt es Regeln, die müssen zum Wohl des Tieres auch eingehalten werden, für Kreativität ist da wenig Platz. In den Ferien gibt es aber auch ein Programm für Kinder und Jugendlichen zu unterschiedlichen Themen. Dabei kann sich jeder kreativ ausprobieren, es kommt schon vor das wir dann vom Thema Boden plötzlich bei ganz anderen Themen landen.

Ich: Auf jeden Fall beweist du ganz viel Kreativität Ausdenken deiner Lehrmethoden, wann fällt dir das denn ein?

Kathl: Das ist unterschiedlich, manchmal sinniere ich einfach vor mich hin. Teilweise fällt mir etwas tatsächlich auf der Toilette ein 😊

Ich: Oh ja, das kenne ich – da hab ich auch oft die komischsten Einfälle! Eine letzte Frage: Was wünscht du dir für die Zukunft?

Ich wünsche mir, dass möglichst viele Eltern, Schüler und Lehrer auf die Höfe kommen und praktisch erfahren, wie und was hier gearbeitet wird. Sie sollen erfahren, dass auch konventionell geführte Betriebe eine super Arbeit für Mensch und Natur leisten. Teilnehmende Höfe findet Ihr auf der Website des Bauernverbandes:

https://www.bayerischerbauernverband.de/Schule-fuers-Leben

Was braucht eine Kuh um glücklich zu sein? Mit diesen Bilder bekommen die ganz Kleinen auf eine lustige Art vermittelt, was eine glückliche Kuh benötigt.

Hinterlasse einen Kommentar