Wie Putin in das Gummiboot kam
Jedes Bild hat seine Geschichte – und manchmal macht Geschichte Bilder! In diesem Fall trifft beides zu….
Wie kam also Putin in das Gummiboot?
So könnte es gewesen sein:
Blicken wir auf eine Literaturverfilmung mit dem Namen „Jagd auf Roter Oktober“ zurück – ein Politthriller mit hochkarätiger Besetzung! Der Kapitän eines sowjetischen Atom U-Boots will mit seinen Offizieren nach Amerika überlaufen – ein Vaterlandsverrat an die Sowjetunion! Der russische Präsident springt also in sein Gummiboot, greift zum Ruder und paddelt über den Ozean, wild entschlossen die Verräter zu stellen! Jedoch stoppt Hai Eugen (Russisch: Jewgenij ) mit einer Nadel die Pläne des Präsidenten und sticht in das Boot. Putin versinkt mit lautem Zischen gen Ozeangrund dem Atom U-Boot „Roter Oktober“ entgegen und ward nicht mehr gesehen…
Die tatsächliche Geschichte des Bildes ist aber eine ganz andere:
Für das Humorfestival in Bernried am Starnberger See durfte ich Entwürfe einreichen, unter denen dann eins ausgesucht wurde für die „Humorparcours“, eine Open-Air Ausstellung mit lustigen Cartoons. Das Motto in diesem Jahr ist „Hast du Töne“. Von insgesamt 4 Entwürfen war dies meine zweite Idee, welche sich schnell in meinem Kopf verselbständigte: Zwei Geier, die das Lied „Er hat(te) ein knall-rotes Gummiboot“ singen, wohlwissend, dass das Abendessen bereits auf sie wartet. Unterstützung bekommen sie von einem Hai, der elegant mit seiner Nadel das Schiff genüsslich zum Sinken bringt!
Die Geier und der Hai waren schnell gezeichnet, doch mit der Figur im Boot hatte ich so meine Probleme. Ich kritzelte wild einige Entwürfe von Personen und irgendwann hatte ich einen Typen auf dem Papier, der aussah wie Kim Jong-un! Das war erst einmal ein erschreckender Gedanke, warum zeichnete ich einen grinsenden, pausbäckigen Diktator aus Nordkorea?
Aber wie das halt mal ist mit den schlechten Gedanken – der nächste war auch gleich da!
Und so hockte jetzt der russische Präsident Putin in seinem Knall-Roten Gummiboot. Von da an war es sehr befreiend weiter zu zeichnen, ich freute mich diebisch über mein boshaftes Bild. Nachdem ich fertig war, identifizierte ich den Hai als den ukrainischen Präsidenten Selenskyj, eine Sache die so nie so geplant war! Jetzt sind 3 Monate vergangen und in der wirklichen Welt sind neue Bösewichte in den Vordergrund getreten: Der Hai ist für mich jetzt zu einer anderen Figur mutiert – ebenfalls ein „Verräter“ des (nicht mehr existierenden) „sowjetischen Reiches“: Hai Eugen (alias Jewgenij Prigoschin).
Tja, wer weiß, was ich in 6 Wochen in das Bild interpretiere, vielleicht habe ich hellseherische Fähigkeiten und kann die Zukunft malen?
Unwahrscheinlich, das Bild bleibt das Gleiche, die Bedeutung ändert sich. Aber eines ist doch sicher:
Irgendwann wird auch ihm die Luft ausgehen,
wer ist der Hai, wer ist die Nadel?
Das werden wir bald sehen!

Ps: Das Bild wird nicht beim Humorfestival vertreten sein, aber ein anderes von mir! Wer Lust hat kann bis November vorbeischauen – mehr Infos gibt es hier: