Xaver auf der Wies`n
Mir ist langweilig und ich bin deprimiert! Ich fühl mich so allein, Franzi turtelt mit dem arroganten Egon und selbst der Schorsch hat grad was am Laufen. Ständig trifft er sich mit einer Elisabeth – und die mag keine Hunde, angeblich hat sie eine Tierhaarallergie! Tja, und so werde ich einfach abgeschoben, kaum ist eine Frau im Spiel muss der Hund wieder hinter der Mülltonne wohnen! Kein Feierabendbier, keine chilligen Männermomente auf dem Balkon – nix geht mehr! Ich hocke missmutig im Hof und sinniere vor mich hin, da kommt der Schorsch um`s Eck – frisch rasiert, fesch in einer Lederhose und riechen tut er wie ein Halbgott. Er grinst mich an und meint: „So Xaver, heute geh ma auf`d Wies`n, des wird schee!“ Freudig springe ich auf, wedle wild mit dem Schwanz und schau ihn mit meinem treusten Dackelblick an: Die Wies`n – DAS EVENT für Zweibeiner. Auf einem Plakat hab ich gesehen was es da gibt: Bier, Brez`n und ein riesiges Hamster-Laufrad! Für einen Jagdhund wie mich ein Traum – das ist fast wie running Sushi, nur das die Beute noch lebt. Aber die Freude ist nur kurz, Elisabeth kommt um`s Eck – im sehr engen Dirndl das auch noch zu kurz ist, ich weiß nicht, was der Schorsch an ihr findet. Er strahlt sie an und nimmt ihre Hand, dreht sich dann um und sagt: „Servus Xaver, wir seh`n uns die Tage mal wieder!“ Ich kann mir ein enttäuschtes Jaulen nicht verkneifen. „Aber Xaver, du weißt doch, dass die Lissy eine Hundehaarallergie hat. Außerdem sind Hunde auf dem Oktoberfest verboten!“
Und dann ist er weg! Empört beschließe ich, halt einfach alleine auf die Wies`n zu gehen, dann such ich mir a fesche Bedienung, die mir so viel Bier gibt wie ich mag! Hoch erhobenen Hauptes mach ich mich auf dem Weg. Für einen schlauen Dackel wie mich ist der Einlass durch die Kontrolle am Eingang ein Kinderspiel – ich schmuggle mich einfach in eine Asiatische Reisegruppe! Die Ordner sind dann erstmal mit den ganzen Rucksäcken abgelenkt und Schwupps bin ich drin. Aber irgendwie hatte ich mehr erwartet. So viele Menschen mit langen, nackten Beinen denen ich ausweichen muss! Es ist wahnsinnig laut und viele Gerüche vernebeln mir die Sinne! Plötzlich werde ich auch fast noch von einem Pferd getreten, mit einem Sprung rette ich mich in einen der Biergärten. Ich versuch an einen Schluck Bier zu kommen – schon fällt neben mir jemand um, mitsamt seiner Maß. Gierig schlürf ich aus dem Krug, da kommt der Typ lallend zu sich und wedelt unkontrolliert mit seinen Armen. Volle Breitseite bekomme ich einen Stoß ab und häng im Zaun. Benommen stolpere ich weiter und versuch in eine sichere Zone zu kommen – aber wo ist eine? Ich versteh nicht, was die Menschen hier so toll finden. Wo ist denn jetzt mein Hamsterlaufrad?
In der Ferne sehe ich es dann und fang an zu rennen. Dabei knall ich in eine sehr korpulente Dame, die erschrickt und kreischt laut los. Mist, jetzt rennt auch noch ein Ordner hinter mir her. Im Zig-zack bahne ich mir einen Weg durch die Menge und bin endlich am Ziel wo auch meine Rettung wartet: Der Schorsch steht da mit seiner Lissy. Ich rase auf ihn zu, er erkennt sofort den Ernst der Lage, schnappt mich und schiebt mich unter seine Jacke. Der Ordner gibt irgendwann seine Suche auf, die Lissy ist grad mit einem riesigen Lebkuchenherz beschäftigt und hat gar nicht mitbekommen, dass ich als blinder Passagier mit an Bord gehe. Aber meine Enttäuschung ist groß, denn hier gibt es weder Hamster noch sonst was zum Essen! Ich schiebe meine Schnauze raus und blicke direkt in das Dekolleté von Lissy. Die keift gleich los: „Schorsch, warum hat du den verlausten Köter dabei!“. Schorsch versucht sie zu beruhigen: „Mei, ich konnt ihn doch nicht einfach den Sicherheitsleuten überlassen, wer weiß was die mit ihm gemacht hätten“. Doch der Lissy ist das wurscht, sie macht dem Xaver eine Szene, dass selbst ich als Hund mich schäme das anhören zu müssen.
Plötzliche bewegt sich der Boden, das Rad fängt an sich zu drehen – mit uns!!! Mir wird flau im Magen, das Bier sucht sich einen Ausgang und findet ihn auch: ich muss mich übergeben – direkt auf Lissy`s Auslage! Die schreit wie am Spieß, beschimpft den Schorsch und haut ihm schließlich ihr Lebkuchenherz um die Ohren. Als das Riesenrad endlich wieder hält, rauscht sie davon. Der Schorsch steht jetzt ganz traurig da mit seinem Herz – das hab ich nicht gewollt. Ich schau ihn flehend an, da grinst er und sagt: „Ach Xaver, du bist halt doch der Beste! Jetzt geh ma heim, setzen uns auf meinen Balkon und trinken a Bier. Nur wir zwei, ganz in Ruh.“ Er hängt mir das Herzerl um, setzt mir liebevoll seinen Hut auf und dann geht`s ab nach Hause.

Auf eine friedliche Wies`n 2023!
Alle Infos rund um`s Oktoberfest findet ihr hier: https://www.oktoberfest.de/